Reaktor

Mächtig aufragend, funkensprühend,
`zigtausendfach zusammengebrannt,
Stahlgitter,
Rückgrat für den Panzer
Beton.

Dröhnender Hammerschlag,
der unseren Blick
aus dem Arbeitsdämmer reißt
hinauf in das Gewirr
unserer Bewehrungsburg.

Unter dem Blau des Himmels
das schwebende Spiel
der Turmdrehkrane.

Noch fasziniert uns
die Exotik dieser Baulandschaft.
noch werden Gedanken
an aufgewühlte Krater
und wachsende Konturen gefesselt.
noch reizen ungewohnte Dimensionen
zum Schwärmen.

Aber vertraut klingen schon
Begriffe,
die Schlüssel sind zur Mikrowelt.
Wie ein Riesenmagnet
lenkt die Gewalt der Phantasie
die Hirne
zu dem geheimnisumwitterten
Kraftfeld.

Arbeit im Mikrokosmos.
Die gesteuerten Reaktionen
Scheinbar ein Zauberstück.
Mit bloßem Auge unsichtbar,
nicht greifbar mit der Hand
Atomkernspaltung.

Nukleonen zerplatzen
und frei wird Energie,
Kettenreaktion ohne mystische
Kraftmeierei.

Reaktor
ist in der täglich durch uns veränderten
Silhouette
ein Montagebegriff,
ein Programm der Jugend.
Die aufgehende Sonne,
umspült von des Meeres und des
Himmels Blau,
weckt in uns Gedanken
an noch unerforschte Sternenmaterie.


1971

Bild: Foto „Kontrollraum KKW“ von sonderdienste in der Wikipedia auf Deutsch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8440237, aufgerufen am 05.08.2025 This Picture is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.