Mailboxen

Kürzlich habe ich mich an der Zeit vergangen. Aus Unverständnis ist sie von mir schlecht behandelt worden.
Eine Frau Kriterius hat es mitbekommen und empörte sich schreibend bei mir über mein Verhältnis und Umgang mit der Zeit überhaupt.
Ich mailte in ihre Box:
„Liebe sehr gut verehrte Frau Kriterius!
Ein Datum kann ich ihnen leider nicht mitteilen. Die Daten und die Zeit techtelmechteln gerade miteinander und haben sich in die Büsche verkrochen.
Für eine Schreibweise, die ich nicht beherrsche, bedanke ich mich außerordentlich verwundert. Sie haben es verstanden mich fassungslos sitzen zu lassen.
„Es wird schon wieder werden, wenn es auch sonst nie was geworden ist.“
War das als Rat oder als Ratschlag gemeint? Die Zeit ist geläufig, sagen mir andere Ratschläger. In der gegenläufigen Zeit quirle ich wild herum. Es entsteht dabei sehr viel Zeitschaum in dem viele Blasen blubbern. Noch halte ich es aus. Auf die Verzeitigung, so wie ich sie nennen, bin ich neugierig und glücklich geworden. Ich schlucke mich durch. Zeitschaum schmeckt wunderbar süffig und macht dunstig. Das ist das totale Leben.
Sich sehr bedankend ihr ausgeflippter Mailer“
Locker kommen Schläge aus ihrer Box auf meinen dunstigen Kopf:
„Lieber wild gewordener Mailer,
sie sehen mich nicht unbeherrscht, aber außerordentlich empört über ihr Verhältnis zur Zeit. Wie kann man der Zeit eine Verzeitigung antun. Ich liebe die Zeit und bin entsetzt, wie sie mit der kostbaren Zeit umgehen. Wie können sie die Zeit zu Schaum machen. Zeitblasen im Schaum; kein Wunder; sie können sich nur verschlucken.
Mir selbst gestatte ich nur ab und an einen Blick aus meinem Zeitfenster. Das macht so schön lullig und ich liebe diesen Zustand. Ein Zeitfensterblick ist für mich das totale Leben.
Die empfindsame Zeit wird so nicht verzeitigt, wenn sie mich verstehen können. Zeitschaumherstellung ist ein brutaler Vorgang. Ich kritisiere ihren Umgang mit der Zeit auf das Schärfste.
Ihre lullig empörte Frau Kriterius“
„Liebe lullige Frau Kriterius,
sie haben mich stark beeindruckt und mich mitfühlend, ja mitleidend gemacht. Ich wusste nicht, dass sie Zeitfensterbenutzer sind und sorgsam mit der Zeit umgehen. Ihre dadurch entstandene zärtliche Lulligkeit gefällt mir und macht mich neidisch – neugierig auf ihr Zeitfenster.
Die Zeit schlagen, Schaum herstellen macht Arbeit, es entsteht dadurch die Arbeitszeit. Sich an der Zeit abzuarbeiten haben sie mit ihrem Fensterblick nicht mehr nötig.
Mit der Zeit werde ich noch ganz anders umgehen, wenn sie mir nur noch Arbeit macht. Ich werde sie vertreiben.
Oh nein, das kann man der Zeit nicht antun und sehe schon ihre Empörung auftauchen: Die Zeit ist liebevoll zu behandeln.
Trotzdem, die Zeit so aus Spaß vor sich her zu treiben, macht sofort gute Laune. Ich hoffe liebe Frau Kriterius sie haben sich noch bisschen Lulligkeit aufgehoben. Die Zeit schäumt schon wieder.
Ihr dunstig flippender Mailer hier mit einem Rezept zur Zeitvertreibung:“
Zeitlos
Die lästige Zeit bin ich los. Tag und Nacht kann ich mir die Hände reiben. Ab jetzt haben wir keine Zeit mehr, absolut zeitlos, ab sofort leben ohne Zeit, wirklich keine Zeit mehr da.
Oh wie langweilig, quengeln die Leute von der Zunft der Zeitliebhaber. Ich sehe das vollkommen entspannt. Mit der Zukunft haben wir keine Probleme mehr. Sie fällt aus. Mit der Vergangenheit ist es schwieriger, die hatten wir ja schon. Sie ist dafür einfacher auseinander zu halten. Es ist schon alles passiert. Geblieben sind nur noch viele Redensarten. Seefahrer und Abenteurer mit ihren Berichten. Eine davon kennen wir alle: Kolumbus. War er der Sucher oder Entdecker, war es das Eierland oder das Eiland was er fand oder erfand? Ich kenne diese Legende nur in meiner Auslegung:
Kolumbus auf dem Weg zum Ei
Kolumbus fand einmal ein Ei.
Wir reden von ihm und dem Gebilde,
als führte er nicht anderes im Schilde.
Das Ei zu suchen, sei er ausgezogen,
über`n Ozean, durch Sturm und Wogen,
spornte an die Leute,
denn er brauchte dieses Ei als Beute.
Eine Show gab es zu sehen,
Kolumbus lies die Segel blähen
mit mächtigem Gelüste
In Richtung Westen, auf die fremde Küste.
Einsam, nur auf sich und Gott verlassen
treiben sie durch die Wellengassen,
der Kapitän und die Matrosen
trotzen Sonnenglut und Wasserhosen.
Immer nur Zwieback schmeckt uns nicht,
ein Ei dazu, wäre ein Gedicht!
So stöhnt und hofft die Mannschaft
auf diese Eierlandschaft.
Die Matrosen und der Admiral
erreichen dieses Ei- land ihrer Wahl.
Historisch ist jetzt diese Stunde
als des Kolumbus Ei in aller Munde.
Und Ehre dem, wem sie gebührt,
so manche Insel nun den Namen Ei-Land führt.
Image by ninita_7 via Pixabay, https://pixabay.com/photos/post-letter-mail-box-mailbox-letter-2828146/, aufgerufen am 23.08.2025.