Der Mümmelmanntraum

Urplötzlich verschwindet die Sonne und ein Schauer stürzt aus einer schweren grauschwarzen Wolke. Prasselnde Wassertropfen. Ein kräftiger Baum mit breitem Geäst am Feldrand bietet Schutz. Runter vom Rad, ein paar schnelle Schritte und ich stehe im Trocknen. Starker Wind treibt das Wasser unter die Äste. Ich flüchte auf die windabgewandte Seite des Baumes, drücke mich an das Holz. Warten

Geduldig blicke ich über das sich im Wind wellende, frisch aufgewachsene Getreide. Auf einmal bewegen sich zwei braune Dreiecke im Feld. Ohren von einem Tier. Ein Reh, denke ich. Die Ohren tauchen auf und ab, kommen immer näher. Sie wandern zum Feldrand und springen aus dem Getreide heraus. Überraschung, aus dem Reh wird ein Hase. Seine Löffelspitzen täuschten Größe vor. Prüfend beäugt er sein Umfeld. Keine Gefahr. Er hoppelt, sucht und knabbert hier und da an einem Halm. Bewegungslos drücke ich mich ans Holz. Der Hase hoppelt mir fast auf die Füße.

Erst jetzt bemerkt der Mümmel meine Anwesenheit. Setzt sich auf die Hinterbeine, stellt die Ohren auf und versucht die Situation zu verstehen. Ich atme nicht mehr. Er nimmt ein Ohr nach unten, dreht den Kopf. Seine Augen zeigen große Hasenneugier. Noch ein Hopser, jetzt sind Löffel und Augen voll auf Empfang gestellt. Mit einem Auge zwinkere ich ihm zu. Er wackelt mit einem Ohr, zwinkert ebenfalls. Sicherlich ein Rätsel für seine Hasenseele. Er nimmt sich Zeit, bemüht sich meine Erscheinung zu deuten. Sein Hasenaugengezwinkere belustigt mich und grinse ihn an. Er stutzt, mit all seinen Sinnen. Neugieriger Hase, denke ich und habe das Gefühl, wie verstehen uns. Jetzt wird es langweilig, denkt er sich und hoppelt ein Stück zur Seite. Langsam löse ich mich vom Baum. Mein Hase aber, richtet sich auf, wackelt mit seinen langen Löffeln und seinen vorderen Pfoten, als wollte er mir zuwinken und sich verabschieden. Er lässt sich auf seine Hasenfüße fallen und hoppelt gemächlich in das Feld. Seine Löffelspitzen tauchen wieder auf und ab, bis sie im Grün verschwinden. Beim nächsten Mal grüßen wir uns, denke ich.

Kurze Zeit danach träume ich von einem Waldspaziergang. Ich schlendere auf einem Waldweg. Nicht lange und es hoppelt und hüpft ein Hase zu mir heran, bleibt in meiner Nähe. Mal nach links, mal hinter mir, mal nach vorn, mal nach rechts, springt hinter Busch und Baum. Er kommt aber immer wieder zurück, als gehörten wir zusammen. Ein Förster kommt auf dem Weg uns entgegen, mustert uns streng und stellt die Frage: „Gehört der Hase ihnen?“ Verdattert über die absurde Frage, antworte ich spontan: „Ja, es ist meiner“.
Als wenn er täglich so etwas als Waldplage erleben würde, meinte der Grünrock: „Das macht zwanzig Euro Waldnutzungsgebühr.“

Der Mümmelmannfreund Rudi Megelat

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