Meine schwedische Gewitterfahrt

Der Bus steht abfahrbereit. Selbstverständlich fährt er nicht ab. Der Beifahrer, er wollte schon einsteigen, sieht mich von der Straße auf die etwas abseits gelegene Haltestelle hinunter rollen und gibt das Zeichen zu warten. Wir grüßen uns wie zwei alte Bekannte, die sich lange nicht gesehen haben. Wir kennen uns von der Hinfahrt vor einer Woche und ich bin ein komplizierter Fall mit all meinen Lasten und den schwer vom Rad zu lösenden Packtaschen. Das Rad ist auf den Hänger zu stellen und zu sichern, das Gepäck im Bus zu verstauen. Schleunigst erledige ich die notwendigen Handgriffe. „Tack så mycket“, danke ich. 
Einsteigen, bequem sitzen sogar sich hinlümmeln können und entspannen. Ich genieße die Ruhe, ein paar Minuten sattelfreie Zeit. Vier Wochen bin ich nun alleine mit dem Rad in Schweden unterwegs.
Dieser Bus bringt Radfahrer von der Insel Öland zum Festland und wieder zurück. In luftiger Höhe ziehen wir über den Kalmarsund dahin. Hoch über dem Meer Blicke schweifen zu lassen, vergnügt mich. Das Wasser unter mir glimmert ungewöhnlich fremd zu mir herauf.
Gedanklich versuche ich auf diesem schmalen Straßenband zwischen Himmel und Meer in dem Getümmel von Fahrzeugen aller Art als Radfahrer mitzuhalten. Allein die Brückenüberfahrt wäre ein Abenteuer für sich. Nur ein leichter Wind in dieser Höhe reicht, um in Schwierigkeiten zu geraten. Die Fahrten über die hohen Brücken an der Westküste Schwedens auf einer Fahrt nach Norwegen oder den dänischen Inseln, die ich im Sattel überquerte, bringen sich wieder in Erinnerung. Ungewöhnliche Höhen für einen Flachlandbewohner. Wind und Wetter über dem Wasser forderten und begeisterten mich und meine Mitfahrer. Ein unruhiger Windsack oben auf der Brücke zu der dänischen Insel Mön warnte uns nicht leichtfertig mit dem Wind zu spielen. Gemütlich im Bus sitzend genieße ich meine Strampelpause. Angenehm schwebend über dem Wasser versuche ich lyrische Worte für das unruhige Gekräusel dort unten zu finden. Es gelingt nicht. Die Stimmung stürzt ab. Der Bus stoppt bereits. Die Haltestelle verscheucht endgültig meine Ausflüge in die Lyrelei.
Öland ade. Die exotische Insel mit ihren freundlichen Insulanern, dem turbulenten Midsommar, den Windmühlen, Steinbrüchen, dem Alvaret und den vielen bunten Orchideen liegt hinter mir. Ein wehmütiger Hauch scheint mir über diesen nüchternen Haltepunkt zu schweben. Diese ungewöhnliche Insel hat es mir angetan. Ich wäre so gerne noch geblieben... . Meine Zeit auf der Insel mit der träumerischen Brückenüberfahrt über den Sund wirkt in mir nach. Unschlüssig stehe ich zwischen Rad und Gepäck. Die einheimischen Radler sind längst nach Kalmar verschwunden. Ich habe noch zu packen. Die Taschen anschnallen, die wasserdichten roten Säcke verstauen. Eilig habe ich es nicht. Für diese leidigen Handgriffe lasse ich mir Zeit. Die für mich einmalige Brückentour ist für die Pendler zwischen Insel und Festland normaler Tagesrhythmus. Alltag. Noch immer zurre ich an Gurten und Spanngummis und bin auf einmal allein. Der Bus pendelt bereits mit anderen Radgästen über die Brücke zur Insel, meine Wunschinsel. Einmal noch möchte ich sie sehen und gehe in ihre Richtung. Weit komme ich nicht, ein Zaun hält mich auf. Meine Blicke bleiben irgendwo auf der endlosen Brücke liegen. Öland wird für mich nur noch eine wunderbare Erinnerung sein.
Lustlos setze ich mich auf den Sattel und trenne mich mit unsanfter Abschiedsstimmung von der Brücke. Bummelnd rolle ich auf Kalmar zu, fahre an Hafen- und Industrieanlagen vorbei, bis die bullige, grimmige Festung meine Blicke auf sich zieht. Die vielen Blumen zu ihren Füßen lassen die Mauern mit ihren Schießscharten etwas milder in die Welt blinzeln. Mit ihrer Stärke protzend hält die Burg mich auf Distanz. Soll sie auch, als uneinnehmbares Bauwerk stolzieren. Die abweisenden Wände reizen mich zu einigen Fragen. Ihre Majestät für die Ewigkeit hingemauert, lässt sich Zeit, antwortet mir auf ihre Weise, trotzig schweigend. Vielleicht hätte ich mehr schwedisch denken sollen? Für einen so schwierigen Dialog reichen meine schwedischen Sprachkenntnisse nicht. Ein mögliches Spiel in fremder Sprache und Kulisse beschäftigt mich trotzdem auf den Weg zum Campingplatz, der mir nicht ganz unbekannt ist. Eine Nacht vor meinem Inselausflug habe ich hier schon verbracht. Auf einer Insel oder Halbinsel, verborgen und geborgen liegt er unauffällig eingepasst in einem typisch schwedischen Flair.
Die Nacht im Zelt zu schlafen fehlt mir die Lust. In einer Hütte, der Zufall macht es möglich, es ist wieder dieselbe wie auf der Hinfahrt, die Nummer acht, bekomme ich Quartier. Auspacken, wieder das Zelt auseinander nehmen, aufbauen, einpacken bleibt mir erspart. In der Mittsommerzeit sind nordische Tage so wunderbar lang. Vom Campingplatz Lundagord auf der Insel, meinem Quartier dort, bis zu diesem Platz hier auf Stensö, bin ich entspannt und bequem gefahren.
Morgen wird die Strecke anspruchsvoller und länger werden. Zeit darf ich vom Start an nicht verlieren. Die erste Frage: Wie komme ich aus der Stadt heraus? Hinein gekommen bin ich von Norden her. Nach Süden muss ich hinaus. In einem Ort zu kreisen, umherzuirren bis die richtige Ausfahrt gefunden ist, nervt, kostet Kraft und manchmal wertvolle Stunden. Es gilt den Streckenstartpunkt für Morgen heute zu finden. Es ist beruhigend zu wissen, wohin das Rad gelenkt werden muss.
Gemütlich streife ich durch die Stadt und ihre Umgebung. Eine Spazierfahrt ohne das leidige Gepäck. Die grün-weißen „Sverigeleden“ Zeichen für den Schwedenradweg suche ich. Dieser Radweg hat mich träumen lassen. Hoch nach Norden so hoch wie möglich wollte ich kommen. Möglichst den nördlichsten Zipfel der Ostsee mit dem Rad erreichen. Als realer Schwärmer hatte ich die Illusion wenigstens in die Nähe von Stockholm zu kommen. Es ist ein Traum geblieben.
Mein längster Urlaub bisher überhaupt, reicht nur für eine, diese Tour von Malmö im Westen quer durch die Wälder des Glaslandes, an die Ostküste auf die Insel Öland und zurück nach Greifswald. Diese Insel vom Rad aus ansehen zu wollen habe ich mir seit Jahren gewünscht, mich intensiv vorbereitet und trainiert. Überhaupt beide großen schwedischen Inseln in der Ostsee mit dem Rad zu erkunden sei machbar und sind zugleich für mich ferne exotische Reiseziele gewesen.
Nun habe ich einen erfüllten Wunsch im Rücken und das südliche Schweden vor mir. Die Wanderkarte und mein Wegeinstinkt sagen mir wo ich suchen muss. Kalmar ist nicht allzu groß und gibt keine Rätsel auf. Der Weg ist bald gefunden. Rückwärts trödele ich durch das barocke Stadtzentrum. Abschiedsstimmung. Ich versuche mir die markanten Gebäude erinnerungsfest einzuprägen. Ein schönes Städtchen. In meiner Situation ist Kalmar mehr eine Durchgangsstation, das Tor zur Insel. Vielleicht komme ich noch einmal zurück. Die Ostküste Schwedens werde ich in den nächsten Jahren wieder aufsuchen.
Zurück zur Hütte. Hungergefühl stellt sich ein. Essen zu bereiten, kein Problem, aber ein seltener Luxus für mich als Radwanderer. Die schwedischen Hütten sind komfortabel mit allem Küchengerät ausgestattet. Ich koche und brutzele auf meine Weise irgendetwas aus Fleisch und Gemüse zusammen. Wanderers Mahlzeit oder besser bereits Abendessen.
Der lange Tag lockt zu einem Spaziergang auf dem Campingplatz. Ungewöhnlich für einen Radler auf Tour spazieren zu gehen.
Wie soll es auch anders sein, mein Gang endet am Wasser. Eine kleine ruhige Bucht vom abendlichen Sonnenlicht beleuchtet lässt mich verweilen. Ein paar Ruderboote liegen hier. Typisch schwedisch. Aus dieser Bucht geht es in die Schären.
Sie, die Schären, sind der phantastische Spielplatz für meine Augen. Rau, robust, einmalig jede Insel, jeder Felsen, eine eiszeitlich geformte herbe Schönheit. Meine Phantasie schwelgt und lässt sich zu seltsamen eigenwilligen Bildern verführen, die immer wieder meine Sehnsucht nach dem Norden auslösen. Das Wasser leicht verspielt, spiegelt die Sonne und schaukelt schwach die Boote. Der Tag ruht sich hier aus.
Müde geworden treffe ich wieder in meiner Hütte ein. Schlafen. Vier Betten in der Hütte bieten sich an. Den dunkelsten Schlafplatz suche ich mir aus. Eine helle mittsommerliche Nacht wird mich unruhig schlafen lassen.

Der neue Tag beginnt mit kraftvoll strahlender Sonne. Sie lockt mir den Gedanken ins Bewusstsein: es ist zwar noch weit weg, aber es ist Rückfahrt, es ist der Weg nach Hause. Eine Woche liegt noch vor mir. Einen geraden Weg nach Trelleborg gibt es nicht. Um in den Süden zu kommen, muss ich westwärts fahren. Abkürzen muss ich die vielen Schleifen und Kurven, die in dieser Landschaft das Wegenetz bilden. Ich habe leider nicht unbegrenzt Zeit für all diese mäandernden Wege entlang an der Ostsee.
Möglichst jeden Tag kaufe ich eine schwedische Zeitung, der Wetterlage wegen. Auch heute. So versuche ich meine schwedischen Sprachkenntnisse zu erweitern, Land und Leute mit jedem Tag besser zu verstehen. Heute scheint die Sonne, verkündet das Bladet für den Süden Schwedens. Im hohen Norden steht die Sonne über dem Horizont lese ich weiter. Die nicht untergehende Sonne hätte ich zu gerne einmal gesehen. Auch so ein unerfüllter Wunsch von mir. Ein angenehmer Tag lässt sich an. Das Rad kontrollieren, die Sachen verpacken und verstauen. Die Hütte, mir mit zwei Nächten fast schon vertraute Etappenunterkunft umrunde ich noch einmal. Die Formalitäten erledigen, sich von der jungen Frau in der Rezeption mit einem freundlichen „Hej do“ verabschieden und wieder einen neuen Tagesritt beginnen. Gut gelaunt folge ich der grünen Linie für Radwanderer auf der Karte. Schnurgerade führt mich ein ehemaliger Eisenbahndamm, jetzt Wanderweg, aus der Stadt. Ruhig, nur ein paar Läufer kommen mir entgegen, rolle ich naturnah weg von der Küste. Die Sonne scheint angenehm. Der Damm endet im Dorf Ljungby, mit ihm auch das unangestrengte, gemütliche Fahren. Mein heutiges Ziel, habe ich offen gelassen. Je nach Kräfteverbrauch werde ich einen Campingplatz in der Waldlandschaft ansteuern. Er soll möglichst weit, schon außerhalb von Småland, möglichst in Blekinge der Nachbarprovinz liegen. Der Erste oder der Nächste nach dem ersten Platz, so habe ich meine Kräfte eingeschätzt.
Die vierte Woche trete ich nun schon in die Pedale. Die Insel in ihrer eigenartigen auch kargen Natur liegt hinter mir. Mir alles anzusehen war mir wieder nicht vergönnt, obwohl die Tagestouren die Hundertkilometermarke oft übertrafen und ich nur die Nordhälfte der Insel kennen lernen konnte.
Der Wanderweg endet an der Straße. Hinter dem Ort fahre ich aus der offenen Landschaft in den Wald hinein. Einige kleine Dörfer liegen auf dem langen Weg. Jetzt rolle ich hügelauf- und ab. Stunde für Stunde. Bäume links und rechts sind meine Begleiter. Kaum Lücken für ein paar Häuser. Ich hätte es auch auf dieser Fahrt machen können, Menschen zählen, die ich im Laufe des Tages gesehen habe. Manchmal reichen die Finger einer Hand nach einer langen Waldfahrt. Das Rad rollt und schnurrt leicht durch den sonnig freundlichen Wald. Irgendwo an einer lichten Stelle lege ich eine Rast ein. Wichtig für mich ist essen, aber vor allem trinken. Und dann wieder treten, endlos eine Steigung nach der anderen überwinden. Auf der rechten Seite rolle ich an einer Straßeneinmündung vorbei und steige wieder bergan. Das hinweisende Schild habe ich in der Schnelle nicht lesen können. Was war dort geschrieben und zu lesen, rätselte ich herum.

In meinen gedanklichen Trott knallt es gewaltig. Der Schreck geht durch alle Körperfasern. Erster Gedanke: Sprengung. Wird wohl ein Steinbruch in der Nähe sein. Halt. Ich habe das seltsame Gefühl mir ist das Gepäck vom Rad gefallen. Der Knall sitzt mir in Mark und Bein. Ich bremse, steige ab. Rad und Gepäck sind unverändert komplett. Die Straße vollkommen leer. Ich bin alleine. Hinten aber, am Horizont, wo ich gerade herkomme, steht eine Wand aus nachtblauen Wolken. Blitze zucken kreuz und quer. Scheinbar unwirklich wie im Film, begreife ich fast im Schock dieses unheimliche, bedrohliche Kino. Noch ist es weit genug weg für mich. Über mir scheint die Sonne und in meiner Fahrtrichtung leuchtet der reinste Azur. Kein Wölkchen ist zu sehen. Nur schnell abhauen, flüchten vor dieser plötzlich bedrohlichen Kulisse. Mit aller Kraft drücke ich mich in die Pedale. Ich schaffe es in der Sonnenzone zu bleiben. Der Wolkenschieber aber plant hinterlistig die Einkreisung des einsamen Radlers. Nach ein paar Kilometern endet die Illusion der wolkenfreien Fahrt. Plötzlich quellen vor mir regenschwere schwarze Wolken zu einem Gebirge in die Höhe. Eingeklemmt. Zwei Fronten marschieren auf mich zu. Anhalten. Der nächste Ort unerreichbar für mich. Keine Deckung. Ich habe nur die Straße. Die Straßenböschung ist mir zu steil, um in den Wald zu verschwinden. So schnell ich kann ziehe ich mir die Regenklamotten über. Am letzten Reißverschluss ziehe ich noch, da stürzt ein Wasserfall auf mich herab. Wohin mit dem Rad? Wegen der Blitze. Habe ich Pech. Was dann? Ich stelle mir die Frage: Was jetzt machen? Meine Antwort: Gar nichts. Die andere Sorge was ist, wenn jetzt ein Auto kommt bei der Sicht von nur ein paar Metern. Mir bleibt nur: Warten! Der Regen durchtrommelt die Jacke. Wie lange ich so stehe? Ich weiß es nicht. Lange genug. Die Blitze im Regen sehen, nicht mehr möglich. Von allen Seiten dröhnen Donnerschläge. Ununterbrochen grollt und rollt es um mich herum. Ich bin mit meinem Rad für Blitze der beste Einschlagspunkt. Völlig frei ohne Deckung. Wo soll ich auch hin? Stehen. Aushalten. Durchstehen. Warten. Eine gefühlte Ewigkeit kracht und regnet es. Einen Gedanken habe ich noch: Die nächste Hütte ist meine. Der Regen verdünnt sich. Die Straße ist wieder zu erkennen. Ich schiebe das Rad ein paar Meter, setze mich auf den Sattel, rolle allmählich den Hügel hinab. Die Sonne schielt durch die Wolken. Saunalandschaft, feucht und warm. Bis zum Campingplatz liegen noch überreichlich Kilometer vor mir. Eine Handvoll von ihnen schaffe ich auch. Die Sonne versucht mich abzutrocknen. Sie schafft es nicht. Eine neue Wolkenwand erwischt mich wieder mit all ihren Wassermassen. Wieder und wieder das gleiche Spiel. Blauer Himmel, weiße Wolken die sich in ein paar Minuten zu Gewitterbatterien verwandeln. Naturdrama ohne Ende, ich bin Teil der Inszenierung und spiele bis zum Campingplatz mit.
Unschuldig freundlich scheint die Sonne über dieses kleine Idyll, als ich auf den Rasen des Platzes fahre. Leute stehen dort, genießen die Sonne und unterhalten sich angeregt. Als sie mich bemerken, ändern sich Ihre Gesichter. Erstaunte und überraschte Augen blicken mich fassungslos an, als wäre ich der Gewittergeist persönlich. So ein feuchtes Unikum wie mich kommt bestimmt nicht allzu oft vor ihre Füße gerollt. „Stuga“, Hütte ist meine Bitte. Freundlich wird mir mein Wunsch erfüllt. Das kurioseste an dieser Fahrt, ich habe meinen Rucksack nicht richtig verschlossen und alle meine Papiere schwimmen. Das Wasser gießt sich wie aus einem Eimer. In der Hütte belege ich die gesamte Fläche mit meinen nassen Sachen. Langsam dämmert mir, dass ich Glück gehabt haben muss. Unbeschadet bin ich hier in Güljahult eingetrudelt. Regenfahrten auf dem Rad sind für mich normal, auch Starkregen mit Wind habe ich mehr als genug mitgemacht, habe sie unter allen möglichen und unmöglichen Lagen erlebt, aber dieser Gewittertag heute ist ein anderes, das bisher schwerste Kaliber meines Radwanderlebens. Das frisst Nerven und verbraucht Kraft.

Am nächsten Morgen frage ich den Chef beim Brötchenkauf nach dem Wetter. Die Antwort ist kurz und kauzig: „Dusch“. Der Himmel leuchtet mit klarem Blau, die reinste Unschuld. Nicht zu begreifen. Die durchnässten Sachen habe ich trocknen können. Der sonnige Tag wird sich bald verabschieden. Ich muss so zeitig wie möglich weiter. Nur nicht nervös werden. Sorgfältiger als sonst überprüfe ich alle Verschlüsse. Dieses kurze „Dusch“, war von einem Lächeln mit dem Unterton, tut mir leid für dich, unterlegt. Es wird so wie gestern werden. Noch scheint die Sonne, leuchtet zuversichtlich in den Morgen. Der Abschied vom Platzchef kurz und herzlich mit einem nachdenklichen Blick von ihm: du wirst es schwer haben. Mit einem mulmigen Gefühl setze ich mich in Bewegung. Die ersten Kilometer werde ich unter blauem Himmel fahren. Wie lange wird es so bleiben? Jetzt heißt es: Tempo machen. Gegen die Zeit fahren, sich ein Wettlauf mit dem Wetter liefern. So schnell wie möglich nach vorn an größere Ortschaften heran kommen. Unterwegs die reizvollen Seen und Flüsse kann ich nur noch nervös vom Sattel aus bewundern.
Urplötzlich lässt mich ein Ortsschild auf die Bremsen drücken. „Stockholm“ steht weiß auf blauem Untergrund. Stockholm das war doch immer mein großes Ziel. Bisher unerreichbar. Nun steht vor mir diese Waldsiedlung mit dem stolzen Namen. Ich kann zufrieden sein, in Stockholm bin ich mit dem Rad gewesen. Ein Foto wird es belegen. Ein überraschender aber nur ein bescheidener Trost für meine geplagte Radfahrerseele.

Mein Tagesziel ist der Campingplatz Immeln. Die Strecke dorthin hat es in sich. Die Sonne leuchtet immer noch freundlich über Baum, Haus und Strauch und Asphalt. Diese kuriose erheiternde Überraschung tut gut. An der nächsten Kreuzung wird sie schnell verdrängt. Ich muss mich entscheiden. Welche Straße ist die günstigste? Keine von beiden schnellen Straßen führt direkt in meine Wunschrichtung, im Gegenteil sie verlängern die Strecke um etliche Kilometer. Verkürzen ist mein Gedanke und nehme kurz entschlossen eine Nebenstraße, die quer durch den Wald führt. Sie ist nur eine Nebenstraße, ein asphaltierter Waldboden. Wie auf einem Riesenwaschbrett folgt eine Bodenwelle auf die andere. Sich erholen, während der vielen zu steilen Abfahrten unmöglich. Die Täler sind zu kurz um zu verschnaufen. Unten angekommen beginnt sofort wieder der Aufstieg. Unübersichtliche Kurven in den Auffahrten kosten zusätzlich Energie. Irgendwie ausgewogen meine Kräfte einzuteilen habe ich keine Chance. Immer nur mit vollem Einsatz kann ich mich und meine Last nach vorne treiben. Noch eine und noch eine Kurve, den Straßenverlauf kann ich nur erraten. Nicht zu überblicken, steigen, steigen, sich hoch quälen. In den scharfen kurvigen Abfahrten muss ich immer wieder bremsen. Die Bremsen erhitzen sich. Kilometer für Kilometer folgen Berg an Berg. Diese riesengroßen, meine Kräfte fressenden, Bodenwellen bringen mich auf den Gedanken, die weiträumige Umfahrung dieser Berg- und Talschleuder wäre schonender für mich gewesen. Schweißtriefend, voll genervt erreiche ich die von mir gewollte Straße. Erschöpft brauche ich eine Pause. Eine Mittagsrast wie so oft am Rad im Wald. Ein paar belegte Brote und Mineralwasser. Nebenbei sehe ich mir unruhig die Karte und den Wegweiser an. Sie zeigen mir Namen, die ich schon vom letzten Jahr her kenne. Eigentlich habe ich mir andere unbekannte Orte vorgenommen. Das Wort „Dusch“ und die Gewittererlebnisse von gestern treiben mich an, nichts zu riskieren, und aus diesem endlosen Wald heraus zu fahren. Als Spielball der Wettergötter mache ich schon genug mit. Mir sind bekannte Straßen lieber, dort kann ich meine Kräfte besser einteilen. Olofström werde ich somit nicht zu sehen bekommen. Einer von meinen Gesprächspartnern, die ich unterwegs auf einem Rastplatz zufällig traf, war von dort. Den nächstgelegenen Ort, Asarum, kenne ich noch von meiner Tour im Vorjahr nach Karlshamn. Einige Straßen und Wege sind mir bekannt, ich fühle mich hier sicherer. Vor mir liegt Mörrum, die Stadt, die mit dem Lachs lebt. Lachsstadt mit einem Lachsmuseum. Auf einem Lachswanderweg war ich schon unterwegs. Lachs habe ich nicht gesehen, nur die Angler bis zum Bauch im Wasser stehend. Hier kenne ich mich etwas aus.

Die ersten Wolken tauchen auf. Noch vollkommen harmlos beleben sie das klare Blau über mir. Sie quellen aber schneller zu einem Wolkengebirge auf als ich mich mit meiner Langsamkeit von ihnen absetzen kann. Ruckzuck baut sich eine Gewitterfront hinter meinem Rücken auf. Was tun? Den nächsten Campingplatz anfahren, das heißt zurück nach Asarum dem Gewitter entgegen oder sich weiter in Richtung Immeln tummeln. Ich habe gerade mal die halbe Strecke geschafft. Reicht die restliche Kraft für das was noch kommt? In meinen Überlegungen hin und her gerissen, entscheidet mein Bauchgefühl, besser wird es nicht. Weder mit dem Wetter und auch nicht mit meinen Tretkünsten. Weiter. Im Dorf Gustavstorp biege ich ab und mache den gleichen Fehler wie vor einem Jahr. Ich lande in einer Sackgasse, schlimm für einen Radfahrer. Vor mir liegt die Autobahn. Das Wetter schlägt mit Gewitter und Sturzregen in meinen Ärger. Glück habe ich trotzdem. Eine gute Gelegenheit, ein Bauwagen, gibt mir Deckung. Den Schauer kann ich folgenlos abwarten. Nun wieder zurück zu dem Gustav seinem Dorf, um auf die richtige Straße zu kommen. Das Wetter lässt mich nicht los, überschüttet mich mit Schauern und sorgt für Unterhaltung mit seinen Blitzen und Donnerspielen. Fahren oder nicht fahren ist hier die Frage. Hier habe ich Gelegenheit in den Wald abzutauchen. Die Mücken sind aber ebenfalls lästig. Nun ist es egal, ich fahre einfach weiter mit oder ohne Regen. Schon wieder ein Fehler. Abwärts bei schlechter Sicht durch den dichten Regen die Abfahrt in Richtung Näsum verpasst. Zurück. Nichts mehr erinnert an die gemütliche Fahrt im letzten Jahr. Dunkeldüster mit feuchter Luft ist das Land verhüllt. In dieser Gegend gibt es Anstiege, die ich selbst mit frischen Kräften nicht bewältigt habe. Besonders der eine Berg scheint endlos lang. Schieben. Pause. Fast an der gleichen Stelle wie vor einem Jahr. Runter vom Asphalt. Auf der anderen Seite lockt eine Werbung: „Cafeteria“. Ich habe keine Lust noch zusätzliche Wege zu machen. Ich greife zu meiner Reserve, schwedische Schokolade. Mineralwasser „Ramlösa“ zur inneren Erfrischung. Wäre dort drüben auf der werbenden Straßenseite eine Unterkunft dann… . Nein. Ich will auf diesen romantischen Platz am See. Auch wenn es schwierig wird. Der Berg wehrt alle meine Versuche nach oben zu fahren ab. Das Hungergefühl werde ich nicht los. Wo ist die nächste Gelegenheit richtig zu essen? Da war doch eine Tankstelle in der Nähe von Vånga. Aber da kracht es wieder und Regen fällt wie gehabt. Im nächsten Dorf warte ich in einer Bushaltestelle auf den Weiterzug der Gewitterschauer. Das Gewitter und ich haben die gleiche Richtung, nach Westen. Die Tankstelle liegt südlich im Tal. Runter. Auftanken. Mein Akku ist leer. Ich bin der einzige Gast oder Kunde. Sie, die Wirtin oder Tankwartin hat das schwedische Standardessen, Kötbullar mit Preiselbeeren. Während ich esse wiederholt sich das aufgeladene schön- schaurige Kräftespiel der Natur aufs Neue. Sicher und trocken wie auf einem Logenplatz schaue ich mir die Vorstellung von Krachen und Blitzen an. Oben auf dem Berg toben sich gewaltige Kräfte aus. Ein Bruchteil nur, ein winzig kleines von den dort wütenden Energien hätte ich gern für mich, würde mir für den Rest der Etappe reichen. Leicht erholt, aber immer noch müde und matt nehme ich das Kräftemessen mit den Bergen und dem Wetter wieder auf. Ein Autofahrer kommt vorbei, macht das Fenster auf grüßt, lacht und winkt. Ich winke zurück und freue mich über so viel freundliche Aufmunterung. Es tritt sich dadurch leichter. Die Regenwolken schütten sich weiter vorne aus. Gut für mich. Meine Laune verbessert sich. Entspannt fahre ich bergauf. Oben angekommen lasse ich mich abrollen, bekomme Fahrt auf, werde schneller und lande wieder im strömenden Regen. Das Gewitter ist langsamer als ich. Schritttempo fahren, ab und zu anhalten und warten. Etwas schneller als ein Fußgänger zieht das Gewitter vor mir her. Bergab stecke ich wieder im Regen. Es ist nicht das erste Mal, das ich hinter einem Gewitter her fahre. Oft hat man dieses Glück nicht. Ich bin jetzt nicht auf der Flucht, sondern ein vorsichtiger Verfolger des Unwetters. Keinen Tritt zu schnell, sonst wird man abgeduscht. Das Gewitter als ein Hindernis der besonderen Art. Warten und hinterher bummeln schont den Körper und meine Nerven. Trotzdem fällt mir jeder Tritt schwer. Jeden Meter Straße trotze ich mir ab. Immer öfter sehe ich auf die Karte. Die Strecke wird dadurch nicht kürzer. Ich sehne mich an diese Kreuzung heran. Obwohl ein paar Fahrzeuge mehr als sonst vorbei kommen, einige Ortschaften durchquere, bleibe ich der einsame Radler. Endlich zeigt sich die erwartete Kreuzung. Erleichtert biege ich ab. Nordwärts mit den letzten Reserven fahre ich nach Immeln. Nur ein paar Kilometer, sonst nicht der Rede wert, aber ausgelaugt und erschöpft wie ich bin, können auch sie endlos lang werden. Die Sonne taucht wieder aus den Wolken auf, hellt meine Stimmung auf. Diesen kleinen schönen Platz am See, mein Wunschplatz, erreiche ich mit meinen allerletzten Kräftekörnern. Müde und erschöpft stelle ich mein Rad ab.
In der Rezeption betrete ich anderen Kosmos. Eine Musik, die ich noch nie gehört habe, stimmt mich um. Blonde junge Frauen empfangen mich. Schwedinnen mit ihrem so einmalig strahlenden blonden Haar. Vor Jahren habe ich Mädchen Blumen zum Midsommarfest pflücken sehen. Wie im Märchen glänzte das besonnte blonde Haar. Die bunten Blumen leuchteten in das Lächeln der glücklichen Mädchen. Angenehm überrascht bremse ich und genieße. Dieser kurze Augenblick war das Reiseerlebnis dieser Tour. Natürliche Schönheit bleibt unvergessen. Schwedenblond einem Märchen nah fasziniert mich immer wieder. Momente wie diese lassen eine Radreise zum Erlebnis werden. Nun empfängt mich eine sonnige Blonde mit ihrem Lächeln. Behutsam und freundlich werde ich begrüßt. Alle meine Strapazen fallen von mir ab. Fragen nach dem Woher und dem Wohin und ein fragendes Staunen zeigt sich auf dem Gesicht, als sie hört womit ich unterwegs bin. Auch der Raum als Galerie künstlerisch gestalteter Salon verwandelt mich in einen genießenden Urlauber. Die große Fensterfront lockt den Blick hinaus auf den See mit seinen bewaldeten felsigen Ufern, hier öffnet sich für mich das Paradies. Ich würde länger bleiben. Eine Reise mit dem Rad ist immer eine Fahrt in das überraschende Unbekannte. Mir bleibt nur dieser eine Tag zur Ruhe. Schade, wenn ich es vorher… .
Mein Zelt muss ich noch aufbauen. Ich suche einen Platz in Ufernähe mit der Blickrichtung zum See. Wenn ich aufwache, möchte ich auf das Wasser sehen. Zwischen all den Großraumfahrzeugen bin ich der einzige Radfahrer der seine eigene Unterkunft aufbaut. Meine Nachbarn sind sprachlich süddeutsche Bürger, schwer zu verstehen.
Zurück in den Salon. Abendessen. Wieder empfängt mich die unbekannte Musik, das Essen schmeckt. Angenehm ist es sich in diesem Flair aufzuhalten, aber das Bedürfnis ausgiebig zu schlafen, den strapazierten Körper ruhen zu lassen, setzt sich durch. Nachdem ich die Frage was ich zum Frühstück essen möchte, beantwortet habe, spaziere ich am See zu meinem Zelt und verschwinde so schnell es geht in meinen Schlafsack.

Die Sonne muntert mich am neuen Morgen auf, holt mir den Schlaf aus den Augen. Ich öffne das Zelt. Eine Entenfamilie auf dem See schwimmt direkt auf mein Zelt zu. Nicht lange und sie kommen aus dem Wasser heraus und sind mit ein paar Watschelschritten an meinem Zelt. Sie schnattern im Chor ihre Begrüßung, beäugen mich neugierig. Ist es früher oder schon später Morgen? Egal die Enten stehen und schnattern. Unterhaltsames Entenkino. Einige Brotkrümel habe ich noch in der Tasche und streue sie dem Schnatterschnäbeln vor die Füße. Die Enten hätten mir auch aus der Hand gefressen, glaube ich. So aber suchen sie im Gras herum, bis alles gefunden ist. Schnatternd verabschieden sie sich und watscheln zum Nachbarn.
Der See liegt spiegelglatt vor mir. Ein Idyll, niemand will diese Ruhe stören. Der Zeltausgang ist mein Guckkasten. Ein schönes Morgenbild. Ein Bilderbuchtag beginnt. Mein Ruhetag gibt sich so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ganz langsam komme ich in Bewegung krabbele aus meinen Igluzelt heraus und gehe duschen. Frühstücken wieder in der Galerie. Heute Morgen sind es andere Jugendliche die hier die Arbeit machen. Ich genieße wieder dieses Flair. Faszinierend die Musik, eine sanft singende mir unbekannte Frauenstimme. Eine Kostbarkeit so ein Moment. Mein Körper und auch die arg strapazierten Nerven entspannen sich. Danach schlendere ich ein wenig am See entlang bis zu einer Kanustation. Auf dem See ein wenig mit dem Kanu zu bummeln, wäre heute reizvoll. Ich sehe den ausfahrenden Kanuten hinterher. Beim nächsten Mal werde ich vielleicht auch… . Mit diesem Gedanken wandere ich zurück zu meinem Zelt. Unter einer Birke mache ich es mir bequem, genieße das Nichtstun. Der Himmel blau, keine Wolke weit und breit. Ich nehme mir die Karte vor, um den morgigen Tag vorzubereiten. Die Strecke plane ich fast identisch mit der Herfahrt von Malmö. Die Etappe heißt wieder Hörby. Inmitten dieser Gedanken taucht die erste kleine weiße Wolke auf. Jetzt ist nicht mehr die Karte wichtig. Die Wolke bekommt meine ganze Aufmerksamkeit. Die aufquellende Wolke will ich sehen. Und es geht schnell. Glück für mich, heute bin ich nur der ruhende Betrachter des dramatischen Wolkentheaters. Das Drama brodelt mit Wucht in die Höhe und Breite. Meinen bequemen Liegeplatz gebe ich auf, verstaue die Sachen im Zelt. Die ersten Tropfen klatschen auf den See. Für das kommende Spektakel brauche ich einen gemütlichen, trockenen Platz in der Galerie. Zügig gehe ich dorthin. Fast alle Plätze sind frei. Auf einem guten Fensterplatz mit Panoramablick mache ich es mir bequem, kann mir die Wasserspiele ansehen. Die Sonne verschwindet, der See verliert sein klares Blau, für das Schauspiel gibt es nur die Aufführung in Grau. Dunkel und düster umrahmen die Felsenufer das Wasser. Es ist Mittagszeit. Pünktlich wie ich es in den letzten Tagen kenne, schlägt es zu. Zufrieden und entspannt esse ich unaufgeregt zu Mittag. Urplötzlich sind alle übrigen Plätze mit Leuten vom Campingplatz besetzt. Heute genieße ich die Wasserflut, bin nicht betroffen, mein Vorzugsplatz ist wasserdicht und gemütlich. Heute Regen ohne mich. Der See nur noch unruhige Aufschlagsfläche für die Unmengen von Regentropfen. Zu sehen gibt es nichts mehr. Am Fenster sehe ich den trommelnden Schauern interessiert zu und rekele mich zufrieden auf meinem Stuhl. Heute habe ich Ruhe vor all diesen Wassermengen. Nur eine Sorge habe ich, hält das Zelt diesem Wasserdruck stand. Eine Frage stelle ich mir trotzdem: Wo hätte es mich heute wieder erwischt, wenn ich gefahren wäre? Eigentlich ist die Frage auch überflüssig. Ich bin doch wasserfest. Das Gewitter tobt sich aus. Plötzlich scheint die Sonne scheint wieder, fast so als wäre sie gar nicht verschwunden. Das Wasser blau wie vorher auch. Auf zum Zelt. Besonnt glänzt der gesamte Platz mit seiner frischen Feuchte. Mein Wanderiglu steht unbeschadet. Innen alles trocken. Wichtig für Morgen mit trockenen Sachen zu starten. Das Rad steht gewaschen daneben. Nach Regen scheint Sonne und mein von den Strapazen der letzten Tage matter Körper ermüdet und verlangt nach einer Mütze voll Schlaf. Ein Nachmittagsnickerchen im Zelt. Die Geräusche der ausgelassen spielenden und badenden Kinder, Musik und Gespräche der Nachbarn stören mich nicht.
Zum Abendessen betört mich wieder die Musik. Vor allem diese Stimme, ihre Stimme, möchte ich wieder hören. Ich frage nach der Musik. Freundlich, aber mit leichter Verwunderung der Jugend, warum kennst du die Musik nicht, bekomme ich Antwort.

Der Abend ist schön, erholsam. Gut gegessen, ein wenig noch am See schlendern und schlafen legen. Eine wunderbarer Ruhetag, dieser Tag heute. Morgen werde ich so früh wie möglich abfahren. Ein lauschiges Plätzchen, natürlich, jung und schön eine Harmonie der Gefühle stellt sich ein. Wie Abschied nehmen? Komme ich wieder her? Die Verführung ist da. Einer Perle gleich dieser Ort. Eine leichte Unruhe kribbelt durch meine Stimmung, der morgige Reisetag bringt sich ein.

Aufbruch. Die Sonne scheint. Die Reißverschlüsse öffnen, spitze nervige Geräusche. Aus dem Zelt blinzeln, den See vor der Nase. Meine Bewegungen locken auch meine morgendlichen Besucher, die Schnatterenten an. Schnell sind sie zu mir heran geschwommen und schnäbeln und schnattern sich zu mir ans Zelt. Sie bekommen ihre Krümel. Sie bekommen aber auch mit, dass ich heute weniger Zeit für sie habe. Sie recken ihre Köpfe und scheinen zu verstehen, der will weg. Die üblichen Handgriffe. Abbauen, einpacken, verstauen. Schiebe mein Rad zur Rezeption. Noch einmal frühstücken im Salon, den Kaffee genießen, die Brötchen. Freundlich versorgt von den jungen Frauen. Diese Waldoase zu verlassen, fällt mir schwer. Länger verweilen wäre hier angebracht. Bescheiden kann ich mich mit einem wehmütigen „He do, tack så mycket“ verabschieden. Danke Immeln. Der Aufenthalt hier bleibt für mich unvergessen. In den Erinnerungen an meine Radwanderungen wird dieser Platz einen festen, einen Festplatz einnehmen. Ihn verlasse ich schiebend. Oben auf der Straße angekommen, halte ich noch einmal für einen letzten längeren Blick. Das nächste Gewitter wartet auf mich.

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